Immer wiederkehrende Irrtümer in der Haltung von griechischen und anderen Landschildkröten

(von Gerhard Jennemann)

 

Sie hegen schon länger den Wunsch, eine griechische Landschildkröte zu pflegen und möchten ihn jetzt gerne realisieren? Überlegen sie sich genau, wie viel Platz sie zur Verfügung haben, denn griechische Landschildkröten kann man nicht für immer in einem Terrarium halten.

Sie benötigen ganz einfach eine größere Fläche und gute Versteckmöglichkeiten, mit unterschiedlichen Temperatur- und Feuchtigkeitsgradienten. Ideal und sehr einfach ist die Freilandhaltung auf einer Gartenfläche, die den größten Teil des Tages sonnenexponiert ist.

Wenn das zutrifft, steht dem Erwerb einer - es sollten aber immer mindestens zwei sein - griechischen Landschildkröten nichts mehr im Wege. Überlegen sie sich genau, wo sie ihre Pfleglinge erwerben. Nehmen sie nicht gleich die erstbesten Tiere, auch wenn es noch so in den Fingern kribbelt. Informieren sie sich vorher nach einer seriösen Schildkrötenzüchterin oder einem Schildkrötenzüchter. Kaufen sie keine Tiere bei Züchtern, die unterschiedliche Arten zusammen und nicht getrennt halten.

Es kann sonst vorkommen, dass sie „Mischlinge“ erwerben, die nicht mehr artenrein sind und später evtl. selbst weiterzüchten. Leider gibt es nur ganz wenige Züchter, die noch wirklich reinrassige Tiere nach züchten!

Es sind meist solche, die irgendwann einmal, als das noch rechtlich möglich und unproblematisch war, Tiere aus ihren Ursprungsländer von einer bestimmten Stelle als Urlaubsmitbringsel mitgebracht haben. Es dürfen also im Laufe der Zeit keine anderen Schildkröten hinzu gekommen sein,von denen man die Herkunft nicht genau kennt. Die Schildkrötenhaltung wird ihnen bestimmt mehr Freude machen, wenn sie sich für eine Art entscheiden, die in ihrer Haltung relativ unproblematisch ist. Das wären zum Beispiel die Unterarten Testudo hermanni hermanni (Westrasse), Testudo hermanni boettgeri (Ostrasse) oder Testudo hermanni hercegovinensis (Dalmatinische Landschildkröte).

 

Diese Unterarten kommen am besten mit unseren klimatischen Verhältnissen aus. Nun hat man die langersehnten Schildkröten erworben und möchte sie nicht nur halten, sondern auch sich über ihre Lebensgewohnheiten informieren. Man möchte auch auf keinen Fall etwas falsch machen und so seinen neuen Schützlingen gleich schaden.

Also besorgt man sich die einschlägige Literatur. Eigentlich kann ja nichts schief gehen, denkt man, denn auf welchem Gebiet gibt es schon so viele „Spezialisten“, wie auf dem Gebiet der Schildkrötenhaltung! Schön, wenn es wirklich so wäre. Also immer irgend welche Aussagen, die nicht eindeutig untersucht und z.B. durch Bildmaterial belegt, dazu mit dem nötigen, meist aus einem Bauchgefühl stammenden Sachverstand beschrieben sind, erst einmal sehr kritisch sehen und nicht gleich unkontrolliert übernehmen.

 

Im Zweifelsfalle lieber erst einmal abwarten. Besser man macht erst einmal nichts, als gleich des Guten zu viel!

 

Es zeigt sich immer wieder, dass komischerweise die Schildkröten sehr alt werden, wo man sich bis auf einige Grundbedürfnisse wie Wasser und Futter, nicht weiter um die Tiere kümmert und ihnen in einem großen Gehege oder Garten, freien Lauf lässt. Es ist empfehlenswert, alle Beobachtungen und Handlungen die man macht, in Form eines Tagebuches aufzuschreiben.

 

Nun zu den Irrtümern: 

Nahezu in jeder weniger Qualifizierten Literatur ist der Hinweis zu finden:

„Suchen sie sich zuerst einen reptilienerfahrenen Tierarzt oder Tierärztin, denn nicht jede Tierärztin oder Tierarzt ist in der Lage, Schildkröten im Bedarfsfall richtig zu behandeln!“

 

Nun was unterscheidet denn eine reptilienerfahrene Tierärztin oder einen Tierarzt von nicht reptilienerfahrenen Tierärztinnen oder Tierärzten?

 

Absolut NICHTS!!

 

Alle haben mehr oder weniger den gleichen Studiengang der Veterinärmedizin durchlaufen und haben exakt die selbe Ausbildung. Sie sind in der Regel ausreichend ausgebildet wenn es sich um Warmblütige Tiere handelt, nicht aber wenn es sich um die Behandlung von Schildkröten bzw. deren Erkrankungen geht.

 

Es gibt nicht eine einzige Veterinärmedizinische Fakultät in Deutschland, die Lehrpläne für Reptilienmedizin nach festgelegten Standards anbietet.

 

Keine Kurse wie Histologie, Anatomie, Neurologie, Physiologie, Chirurgie u.a. um mal einige zu nennen, die als unabdingbare Voraussetzung für das Verständnis der Strukturen und die funktionellen Abläufe im Schildkrötenorganismus sowie eine lege artis (kunstgerechte) Behandlung erforderlich sind.

Es gibt auch kein einziges richtiges Lehrbuch in diesen Fächern, so wie es im Studium der Humanmedizin üblich ist. Ein weiteres Problem ist die Verabreichung von Medikamenten!

 

Es gibt nicht ein einziges getestetes und zugelassenes Medikament für Reptilien, zu denen ja auch bekanntlich die Schildkröten gehören.

 

Wenn man es genau nimmt, ist jede Behandlung einer Schildkröte ein Tierversuch, der normalerweise genehmigungspflichtig ist. Aber auch da gibt es Möglichkeiten, diese Genehmigungspflicht zu umgehen, indem man das verabreichte Medikament nach § 56 Arzneimittelgesetz umwidmet und so ein Medikament anwendet, über dessen Verstoffwechselung bei Schildkröten man keinerlei pharmakologische Informationen besitzt. Welche Stoffe bei der metabolischen Abbaukaskade der Arzneimittel entstehen und ob sie überhaupt nützen, oder vielleicht auch nur schaden, liegt völlig im Dunklen.

 

In der humanmedizinischen Praxis würde eine solche Vorgehensweise den Entzug der Approbation(Zulassung) nach sich ziehen, gefolgt von einer Gefängnisstrafe.

 

Im Gegensatz zur Veterinärmedizin dürfen in der Humanmedizin nur zugelassene Medikamente verabreicht werden!

 

Kann man dem Arzt ein Fehlverhalten nachweisen, schaltet sich in der Regel die Staatsanwaltschaft ein. Auch gibt es in der Veterinärmedizin keine Forensik (Gerichtsmedizin) die Fehlbehandlungen ahnden und zur Anzeige bringen können.

Die Bezeichnung „Reptilienerfahrener Tierarzt ist deshalb aus den oben genannten Gründen sehr irreführend und täuscht der ahnungslosen Halterin oder dem Halter ein Wissen vor, was zur Zeit in Deutschland nirgendwo nach irgend welchen standardisierten Richtlinien mit abschließender Prüfung erlernt werden kann.

 

 

Damit Ihre Tiere ein recht hohes Lebensalter erreichen, sollten Sie den guten Rat von Chryseldis befolgen!

 

 

 


Leider wird es in Deutschland so gehandhabt, dass Veterinäre gesetzesmäßig legitimiert sind, alle Tiere zu behandeln. weil der Gesetzgeber anscheinend glaubt, dass es zwischen einem Fisch und einer Katze keinen all zu großen Unterschied gibt.

 

Der größte Teil der Veterinärmediziner ist aber dennoch seriös und gibt offen zu, dass Reptilienmedizin kein Bestandteil des Veterinärmedizin Studiums ist und sieht das Verhalten ihrer „Reptilienerfahrenen Kollegen" oft selbst sehr kritisch.

Man kann auf einer Sportchochschule auch Tennis studieren und in dem Fach promovieren! Aber glauben sie dass so jemand auch gleichzeitig ein guter Eishockeyspieler ist ???

 

Wohl eher nicht und warum sollte es dann in der Veterinärmedizin anders sein!! Auch die AGAR der DGHT kann keine „Reptilienerfahrene Tierärzte" zertifizieren, was sie aber regelmäßig tut und deren Adressen sich dann im Internet schneller vermehren, als die Influenzaviren bei einer Grippeepidemie! Jeder der „Wahrheiten" über das Internet verbreitet sollte sich vorher vergewissern, ob das auch alles so richtig ist. Wenn man sich nicht absolut sicher ist sollte man lieber nichts hineinstellen.

 

Ein weiterer Irrtum

In nicht wenigen Fällen empfehlen "Schildkrötenspezialisten" und „Reptilienerfahrene“ Veterinäre eine Zufütterung von Vitaminen, weil sie denken, dass es eher nützlich als schädlich ist. Auch sie selbst sollten von sich aus keine Vitamine zu füttern. Natürlich brauchen Schildkröten auch Vitamine, aber die nehmen sie mit der frischen Nahrung zu sich. Über den exakten Bedarf an Vitaminen bei Schildkröten ist nichts bekannt und schon gar nichts wissenschaftlich erforscht. Eine Überdosierung ist in jedem Fall schädlicher, als eine Unterdosierung. Besonders hohe Dosierungen der Vitamine A, D und E, also fettlösliche Vitamine, kann für die Tiere fatale Folgen haben. Solange diese Sachlage nicht erforscht und bekannt ist sollte jede zusätzliche Gabe von Vitaminen unterbleiben sind.


BILD Calcinose durch Korvimin ZVT 

Also Hände weg von medikamentösen Entwurmungsmitteln. Es kommt ihren Tieren und Ihrer Geldbörse zugute!

 

In diesen Abschnitt passen auch noch die Hexamiten, die so häufig von Ihrem „Reptilienerfahrenen“ Tierarzt bei Ihren Schildkröten gefunden werden. In der Regel sind es keine echten Parasiten, sondern harmlose, nicht krankmachende (Flagellaten), Mikroorganismen die sich in jeder Pfütze oder auch Schildkrötentränke nachweisen lassen. Es ist schon äußerst erstaunlich, dass selbst Fachveterinäre für Parasitologie Hexamiten nach ihrem Bewegungsmuster und nicht nach ihrem für sie so typischen Aussehen beschreiben. In nahezu jeder Literatur will man einem weiß machen, dass wenn etwas schnell durch das Blickfeld des Mikroskops huscht, es sich dabei eindeutig um Hexamiten handelt!!

Das wäre ungefähr genauso als wenn jemand behauptet, dass er den Schriftzug auf einem Tennisball, wenn er nach einem Aufschlag den Schläger verlässt, eindeutig lesen kann.


Nein!

 

Hexamiten wurden nicht deshalb Haxamiten genannt, weil sie schnell und gradlinig durch das Blickfeld des Mikroskops huschen, wie es von Reptilen Erfahrenen Veteränären immer wieder fälschlicherweise behauptet wird. Hexa kommt von sechs (6). Damit werden die sechs Geiseln – auf jeder Seite drei – am Vorderende dieses Individuums beschrieben. Am Hinterende haben sie noch 2 Antriebsgeiseln. Hexamiten huschen nicht schnell durch das Blickfeld, sondern torkeln eher auf der Stelle, wie sie auf dem kleinen Film sehen können. Als gefährlich ein zustufen ist nur Hexamita parva. Diese Art ist eher sehr selten und es erfordert auch das nötige know how um sie so darzustellen, dass man sie an ihren Geiseln und nicht am Bewegungsmuster erkennt. Wenn sie mehr darüber wissen möchten finden weitere Informationen in meinem Büchlein über "KOTANALYSEN BEI SCHILDKRÖTEN"  das ich zusammen mit Hans-Jürgen Bidmon geschrieben habe und im DAUVI-Verlag erschienen ist.

Ich bin häufig in den Ursprungshabitaten der europäischen Landschildkröten zu Forschungszwecken unterwegs. Was mir dabei immer wieder auffällt ist die teilweise sehr starke Verwurmung der freilebenden Tiere! Sie werden auch durch keinen Tierarzt vor der Winterruhe entwurmt und überleben trotzdem! Schildkröten gibt es schon nachweislich seit über 200 Millionen Jahren. Wären ihre Parasiten für sie so gefährlich, wie manche „Spezialisten“ behaupten, würde es diese wunderbaren und durch die Evolution kaum veränderten Geschöpfe schon längst nicht mehr geben. Jeder der sich wissenschaftlich mit Parasiten beschäftigt weiß, dass im Normalfall ein Parasit seinen Wirt nicht umbringt, denn das wäre auch das Ende seines Lebens und der Fortbestand seiner Art!

Leider wird es in Deutschland so gehandhabt, dass Veterinäre gesetzesmäßig legitimiert sind, alle Tiere zu behandeln. weil der Gesetzgeber anscheinend glaubt, dass es zwischen einem Fisch und einer Katze keinen all zu großen Unterschied gibt.

 

Der größte Teil der Veterinärmediziner ist aber dennoch seriös und gibt offen zu, dass Reptilienmedizin kein Bestandteil des Veterinärmedizin Studiums ist und sieht das Verhalten ihrer „Reptilienerfahrenen Kollegen" oft selbst sehr kritisch.

Man kann auf einer Sportchochschule auch Tennis studieren und in dem Fach promovieren! Aber glauben sie dass so jemand auch gleichzeitig ein guter Eishockeyspieler ist ???

Wohl eher nicht und warum sollte es dann in der Veterinärmedizin anders sein!! Auch die AGAR der DGHT kann keine „Reptilienerfahrene Tierärzte“ zertifizieren, was sie aber regelmäßig tut und deren Adressen sich dann im Internet schneller vermehren, als die Influenzaviren bei einer Grippeepidemie! Jeder der „Wahrheiten“ über das Internet verbreitet sollte sich vorher vergewissern, ob das auch alles so richtig ist. Wenn man sich nicht absolut sicher ist sollte man lieber nichts hineinstellen.

 

Ein weiterer Irrtum

In nicht wenigen Fällen empfehlen "Schildkrötenspezialisten" und „Reptilienerfahrene“ Veterinäre eine Zufütterung von Vitaminen, weil sie denken, dass es eher nützlich als schädlich ist. Auch sie selbst sollten von sich aus keine Vitamine zu füttern. Natürlich brauchen Schildkröten auch Vitamine, aber die nehmen sie mit der frischen Nahrung zu sich. Über den exakten Bedarf an Vitaminen bei Schildkröten ist nichts bekannt und schon gar nichts wissenschaftlich erforscht. Eine Überdosierung ist in jedem Fall schädlicher, als eine Unterdosierung. Besonders hohe Dosierungen der Vitamine A, D u E, also fettlösliche Vitamine,  kann für die Tiere fatale Folgen haben. Solange diese Sachlage nicht erforscht und bekannt ist sollte jede zusätzliche Gabe von Vitaminen unterbleiben sind.

 

 

Calcinose durch Korvimin ZVT (ZVT= Ziervögel, Tauben) und nicht Warmblüter  

 

Ein weiterer Irrtum

ist es, zu glauben, dass Schildkröten regelmäßig entwurmt werden müssen. Das sollten sie tunlichst seinlassen. In jedem Schildkrötenkörper befinden sich Immunglobuline (Antikörper), die sich auch gegen die Parasiten im Schildkrötenorganismus über Jahrmillionen entwickelt haben.


Die Würmer können Sie medikamentös entfernen, die Antikörper nicht. So kann es vorkommen, dass sich die Antikörper wie gut ausgebildete heranwachsende benehmen, die manchmal mangels Betätigungsmöglichkeiten über die Stränge schlagen und Unsinn machen.


Machen sie das in einem Schildkrötenkörper, so nennt sich das Autoimmunerkrankung, die sich auch unter uns Menschen immer breiter macht und so etwas braucht ganz sicher niemand. Wenn sie ihre Tiere genauer beobachten werden sie feststellen, dass Schildkröten sehr gerne Kot fressen. Diesen Vorgang nennt man auch Koprophagie. Sie machen es nicht, weil ihnen der Kot besonders gut schmeckt, sondern um ihren Darm wieder mit Parasiten, aber auch Bakterien zu füllen, die sie da brauchen.


Besonders gerne machen sie das nach einer Wurmkur und das ist allein schon ein Indiz dafür, dass sie bestimmte Parasiten brauchen. Werden die Parasiten zu viel, entwurmen sich die Tiere selbst, in dem sie rauhfaseriges Futter oder auch kleine Steinchen zu sich nehmen. (JENNEMANN 2010)

 

Rauhfaseriges Futter sollte immer in jedem Gehege zu finden sein. Ein „Artgerechte Haltung“ nach deutschen Ordnungsprinzipien mit immer kahl gemähtem Markenrasen und bunten Häuschen ist zwar für den Halter schön anzusehen, für unsere Schildkröten aber eher von Nachteil. Sie können ihre Schildkröten auch mit der Zeitungspapiermethode nach G. Jennemann entwurmen.

 

Diese Methode ist sehr effektiv aber was besonders wichtig ist, sie macht die Tiere nicht krank und kostet Sie nichts. Ihr Tierarzt wird das zwar anders sehen aber denken Sie immer daran, dass auch er ein Geschäftsmann und auf seinen Verdienst angewiesen ist.

 

 

 

Dummblöd
Film über Hexamiten
Hier können Sie sich einen Film (MPG) über Hexamiten herunterladen und ansehen
Hexamiten Film.mpeg
MPEG Video-Datei [11.5 MB]

In dieser kurzen Filmsequenz sehen Sie das Vorderende einer Hexamite mit 3 Geiseln an jeder Seite. Die 2 Antriebsgeiseln am Hinterende sind nicht zu sehen, weil sie ausserhalb des Fokus (Schärfentiefenbereich) liegen.

Immer wenn etwas gradlinig und schnell durch das Blickfeld des Mikroskops huscht, ist es ganz sicher ein apathogener (nicht krank machender) Flagellat von dem es viele Arten gibt und von dem einige noch nicht eindeutig bestimmt sind.

Die meisten Veterenär Praxen sind meist mit sehr preiswerten Mikroskopen ausgestattet mit denen solche Untersuchungen nicht eindeutig möglich sind. Das Mikroskop mit dem der Parasitenfilm gedreht wurde liegt in der Preisklasse um die 100.000 Euro. 

 

Schildkrötenfriedhof

Wer sich einmal die geologischen Formationen in den Ländern anschaut, wo es freilebene griechische Landshildkröten gibt wird feststellen, dass sie auf ehemaligen Meeresboden leben, der sich im Laufe von Jahrmillionen gehoben hat und jetzt teilweise hoch über dem Meerespiegel liegen. Schaut man sich diese Gesteinsstrukturen einmal näher an wir man feststellen, dass sie hauptsächlich aus abgestorbenen verkalkten kleinen Fossilien bestehen. Der Fossilienfachmann nennt das „ gesteinsbildend“. Überwiegend handelt es sich bei diesen Versteinerungen um Nummuliten, zu den Foraminiferen (Kammerlingen) gehörenden Organismen, die relativ weich sind und als Kalziumlieferant durch Schildkröten gerne verzehrt werden. Leider wird immer wieder in Büchern behauptet – ohne das natürlich wissenschaftlich zu belegen – die Steinchen würden beim Verdauungsprozess mithelfen, die Nahrung zu verkleinern.

 

Das ist schlicht und einfach falsch!!


Nummulitenkalk (Fosilier mariner Meeresboden aus dem EOZÄN der überall im Habitat vorkommt. Er ist relativ weich, oft bröselig und gut verdaulich. Er dient als Kalziumlieferant und zur eigenständigen Entwurmung)

Schildkröten haben keinen Mahlmagen wie z.B. Hühner oder Tauben. Sie brauchen den Kalk, nicht aber die Steinchen. Es ist sogar sehr gefährlich für die Tiere, wenn man irgendeinen Kalkschotter in  das Schildkrötengehege bringt.  Handelt es sich dabei um einen sehr harten Kalk kann das für die Schildkröten fatale folgen haben, weil sie immer wieder Steinchen fressen, nicht aber zwischen harten und weichen Kalken unterscheiden können.Ist der Kalk zu hart und sind die Steinchen zu groß, bleiben sie im Schließmuskel des Magenausganges hängen, was zu einer Entzündung und später zum sicheren Tod führt, wenn der Stein nicht rechtzeitig diagnostiziert und operativ entfernt wird. Schildkröten werden immer Steinchen fressen, denn das ist über Jahrmillionen in ihrem genetische Programm so festgeschrieben. Sie fressen aber auch manchmal Steine um einen übermäßigen Besatz an Darmparasiten zu entfernen, ähnlich wie es zum Beispiel auch Kormorane tun.


Bringen Sie bitte keinen ungeeigneten Kalkschotter in das Gehege ihrer Schildkröten.


Manche Buchautoren empfehlen das und möchten damit den Ursprungshabitat der Schildkröten kopieren, was natürlich niemals machbar ist. Kalk kann man ganz einfach als Sepiaschulpe, die überall im Handel erhältlich sind anbieten oder klein gemörserte oder gemahlene Hühnereierschalen. Bei den Hühnereierschalen sollte man aber immer darauf achten, dass sie aus einem anerkannten Bio-Betrieb kommen. Die haben keine Antibiotika oder sonstige Medikamente in den Schalen gespeichert. Wer sich Tierfreund nennt, sollte auch keine Eier aus anderen Produktionsstätten konsumieren, denn damit würden sie wegen nur weniger Cent, die Misshandlung von Nutztieren unterstützen. Wer seine Schildkröten auf natürlichem Kalkboden hält, sollte überhaupt keinen Kalk zu füttern. Er wird von den Pflanzen aufgenommen und so über die Nahrung den Tieren zugeführt.

 

Harter ungeeigneter Kalkschotter

 

In vielen Stellen der Schildkrötenliteratur kann man lesen, dass in einem Schildkrötenmagen Salzsäure als ein Verdauungssekret gebildet wird. Hauptsächlich hört man solche Aussagen von Veterinären, die dann von vielen „ Spezialisten“ nachgeplappert und im Internet und in Büchern verbreitet werden.

 

Im einem Schildkrötenmagen wird keine Salzsäure produziert, weil die dafür erforderlichen Belegzellen, die man in jedem Säugermagen findet, fehlen. Möglicherweise übernimmt die Funktion der Salzsäure ein Gelatbildner. An diesem Projekt forsche ich zur Zeit noch.


Ein weiterer Irrtum

Immer wieder ist in der gängigen Trivialliteratur – zumindest bei einigen Autoren – zu lesen, dass die Zufütterung von pflanzlicher Nahrung unterbleiben sollte und die Schildkröten sich nur von dem, was im Gehege wächst ernähren sollten. Den Grund den sie hierfür angeben ist eine Überfütterung und die daraus resultierende Verfettung der Tiere. Wenn man so etwas liest kann man sich nur wundern, wie sich Autoren mit sowenig Sachverstand erdreisten, so einen geschriebenen Unsinn, interessierten Lesern anzubieten. Von solcher Literatur rate ich dringend ab, denn da findet man noch viele andere unbewiesene Absonderlichkeiten. Schildkröten ernähren sich überwiegend herbivor, das bedeutet, sie sind hauptsächlich Pflanzenfresser aber auch ein gewisser Teil an tierischen Proteinen wird konsumiert. So konnte ich immer wieder beobachten, wie in Bulgarien jeden Morgen, wenn die Vegetation noch sehr nass war, die Schildkröten Jagd auf helle Nacktschnecken machten und doch eine ganze Menge davon verzehrten Wäre das wirklich so mit der Zufütterung, wie manche Zeitgenossen behaupten, dann dürften weder Kühe und Rinder frei das ganze Jahr auf der Weide oder der Alm grasen, noch sollten Schäfer mit ihren Schafen oder Ziegen – wegen der Verfettungsgefahr dieser Pflanzenfresser – von der Hütung dieser Tiere im Freien absehen. Was ist eigentlich mit den Hirschen, Rehen, Hasen oder Kaninchen. Laut angaben dieser Autoren müssten auch diese Tiere verfetten. Sie sehen, welch einen Unsinn Sie da teilweise angeboten bekommen!

Ein weiterer Irrtum

Im Sommer sollte man nicht zu viel Grünfutter verfüttern, sondern mehr Heu oder Presslinge weil nach Angaben dieser Autoren Grünfutter zu Fett sei. Selbst wenn der Magen eines Pflanzenfressers zum bersten voll gefressen ist, reichen die Inhaltsstoffe des Futters niemals aus, um eine Verfettung herbeizuführen. Wäre es wirklich so hätte jedes Rind, das ganzjährig auf der Weide gehalten wird, eine Fettleber! Auch aus den Ursprungshabitaten der Schildkröten wie z.Bsp. Bulgarien oder Kroatien kenne ich Stelle die das ganze Jahr sehr feucht sind und wo immer frisches Grünfutter für die Tiere zur Verfügung steht.

Trocknen Sie doch mal ein Löwenzahnblatt, pflücken Sie dann ein frisches Löwenzahnblatt dazu, gehen damit zu einer Apothekerin oder einem Apotheker und fragen nach dem Unterschied. Diese Fachleute werden Sie darüber aufklären, dass bei dem getrockneten Blatt hauptsächlich nur das Wasser fehlt und bei dem frischen nicht! Um zu solchen Erkenntnissen zu erlangen braucht es weder Studium noch einen Hochschulabschluss sonder nur ein wenig Verstand und Überlegung. Also, benutzen Sie Ihren eigenen Verstand und glauben Sie nicht alles was aus dem Bauchhirn mancher „Spezialisten“ oder „Schildkrötenernährungsfachleuten“ verbal oder schriftlich entwichen ist.

Ein weiterer Irrtum


ist die nicht artgerechte Überwinterung von Schildkröten in einem Kühlschrank. In ihren natürlichen Lebensräumen befindet sich nirgendwo ein funktionierender Kühlschrank, wo die Tiere hineinkriechen und überwintern können! Auch ist eine gleichmäßige Überwinterungstemperatur nicht unbedingt von Vorteil, eher von Nachteil. In ihren Natürlichen Lebensräumen verbringen die Tiere die kaltem Monate eingegraben in das Erdreich. Sollten die Temperaturen einmal ansteigen, kommen die Schildkröten auch kurzfristig heraus und nehmen Flüssigkeit auf und graben sich danach wieder ein. Das so etwas im Kühlschrank nicht möglich ist, dürfte wohl jedem einleuchten. Nicht nur dass die Kühlschranküberwinterung nicht artgerecht ist, sie stellt auch eine große Gefahr für die Tiere dar. Sehr häufig findet man gegen Ende der Überwinterungsphase Tiere mit stark gerötetem Plastron, was oft fälschlicherweise vom Tierarzt nur mit purem Augenschein als Sepsis diagnostiziert wird, ohne überhaupt einen Keim nachzuweisen. (JENNEMANN in Vorbereitung). Danach wird im Normalfall ein Antibiotikum verabreicht, ohne vorher einen Resistenz Test (Antibiogramm) zu machen. Auch möchte ich an dieser Stelle noch einmal darauf hin weisen, dass viele Antibiotika erst richtig von einer Temperatur ab 37°C aufwärts ihr volles Wirkspektrum erreichen. Diese Temperatur bedeutet aber für die meisten Schildkröten der sichere Tod, weil sie als wechselwarme Tiere ihre Körpertemperatur nicht wie Säuger gegen regulieren können.

Bakterien sind winzige Mikroorganismen die ungefär ein 1000stel mm groß sind und mit guten Mikroskopen gerade noch erkennbar sind. Es dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben, das die Resistenz von Bakterien gegenüber Antibiotika immer häufiger wird. Deshalb ist es eine conditio sine qua non, vor jeder Applikation eines Antibiotikums ein Antibiogramm zu erstellen aus dem hervorgeht welcher Wirkstoff erfolgversprechend ist- Es nützt nichts ein Antibiotikum zu geben, wenn die Keime gegen den Wirkstoff resistent sind. Resistenzen !! Nur in extrem lebensbedrohlichen Situationen ist es indiziert ein Antibiotikum ohne vorherige Resistenzbestimmung zu geben. In einem solchen Fall würde man ein Breitbandantibiotikum wählen, welches auch breite unerwünschte Nebenwirkungen haben kann.

 

Beispiel:

 

Baytril 2,5% ad us. vet. Injektionslöung (Gyrase Hemmer) , hier weist der Hersteller ausdrücklich darauf hin , das dieser Wirkstoff nicht bei Bagetelinfekten anzuwenden ist.

Zitat: Baytril 2,5% Injektionslösung sollte nur nach vorheriger bakteriologischer sicherung der Diagnose und Sensitivitätsprüfung der beteiligten Erreger sowie bei Vorliegen von Resistenzen gegenüber anderen Antibiotika angewandt werden. www.vetpharm.uzh.ch

Ein weiterer Irrtum

ist die Bezeichnung „Winterstarre“! Eine Starre beschreibt eine absolute Unbeweglichkeit eines Organismus. Hier möchte ich als Beispiel die Totenstarre nennen oder auch das gefrostete Hähnchen in der Tiefkühltruhe Sie werden aber sicher schon längst festgestellt, falls sie schon Schildkröten überwintert haben, dass sie auf Störungen beweglich, durch einziehen der Vorderbeine reagieren. Hier beschreibt die Bezeichnung „Winterruhe“ den Zustand realistischer.

 

Ein weiterer Irrtum

ist es zu glauben, im Internet oder in sogenannten Foren etwas mehr über artgerechte Schildkrötenhaltung erfahren zu können! Sie können sicher sein, dass Sie nachher wesentlich unsicherer sind als vorher. Gerade Foren sind Plattformen, wo jeder seiner „Verbalen Inkontinenz“ freien Lauf lassen kann. Vor einiger Zeit habe ich auch mal wieder ein Forum besucht – nicht um mehr zu erfahren – sonder um wiedermal richtig zu schmunzeln. Da schrieb eine Schildkrötenhalterin, dass sie Nachts in ihrem Schildkrötengehege einen Igel gesehen hätte und sie hätte im Internet erfahren, dass Igel stark verwurmt wären. Die Antwort eines „Parasitenspezialisten“, der sich auch erst einmal im Internet schlau gemacht hat, kam prompt. Er empfahl mit allen Tieren sofort zu einem „Reptilienerfahrenen Tierarzt oder einer Tierärztin zu fahren und sie untersuchen zu lassen. Laut seiner Aussage wäre nur der „Reptilienerfahrene“ Tierarzt in der Lage eine richtige Entscheidung zu treffen, womit wir wieder beim Thema angekommen wären. Ich hoffe sie ist dem weisen Rat dieses „Spezialisten“ nicht gefolgt, denn es wäre nicht nur unnötig gewesen, sondern evtl. sogar gefährlich für die Tiere; wegen der nicht getesteten und zugelassenen Medikamente. An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass die meisten Parasiten wirtsspezifisch sind, d.h. dass Parasiten vom Igel, selbst wenn sie durch Schildkröten aufgenommen würden, bei ihnen sicher keinen Schaden anrichten. Sie sehen was dabei herauskommt, wenn man sich auf so eine Plattform einlässt. 


ACHTEN SIE BITTE DARAUF; DASS SIE SICH NICHT VON DER FORENSEUCHE ANSTECKEN LASSEN !! 


Wenn Sie in der Nähe wohnen können Sie gerne bei uns mitmachen Wir sind kein eingetragenen Verein und niemand muss ein Pöstchen übernehmen. Bei uns geht alles sehr familiär zu. Wir freuen und über jeden Zuwachs besonders auch über Interessierte Kinder und Jugendliche !